Etwas Geschichte: Colin Seeley

Nachdem AMC endgültig die Tore geschlossen hatte erwarb Colin Seeley 1966 das Recht Matchless G50 und AJS 7R Rennmaschinen zu fertigen.

Den Anfang machte der Seeley Mk I Doppelschleifenrahmen für G50 und 7R Motoren. Mk I sah im Bereich der Schwingenlagerung noch den Manx-Rahmen (ein mittig angeschweißtes 'Knotenblech', das die Schwingenlagerung aufnimmt) sehr ähnlich. Allerdings sind die Oberzüge auch beim MK I schon wesentlich enger um den Motor geführt und auch die Anbindung des Lenkkopfs ist schon ziemlich 'gitterrohrig'.

1968 folgt der Mk II - ebenfalls ein Doppelschleifenrahmen, aber mit etwas anderer Rohrführung im Bereich Schwingenlager, das jetzt in einem voluminösen Blechprofilkasten aufgenommen wurde. Ein Replica eines solchen Chassis besitzt auch meine G50 - und ich muss sagen, dass die Stabilität und Handlichkeit dieses Fahrwerks immer noch Klasse ist! Selbst auf den teilweise übel welligen Straßenkursen von Horice und Dvur Kralove wackelt nichts, auch Kanaldeckel in Schräglage nötigen einem nicht das Gas zu schließen. Und zwischen Ginger Hall und Ramsey tritt es einem zwar heftig in den Hintern, aber das war es dann auch schon!

Spätere Ausführungen (Mk III und Mk IV) waren unten offene Rahmen, die die verwendeten Motore damit mehr in die Statik des Rahmens einbezogen. Dafür war er wohl günstiger zu fertigen. Es gab auch damals schon den Begriff Rationalisierung. Mit anderen Halteplatten passen auch Norton Zweizylinder, Velocette und Goldstar Einzylinder hinein. Wenn ich verschiedene Berichte im Classic Racer Revue passieren lasse, scheinen sie nicht ganz die Stabilität des Mk II zu erreichen.

Nochmals später entwickelte und baute Seeley Rahmen für Werksrenner von Ducati und Husqvarna, ebenso Barry Sheene's 1973 Suzuki und die Yamsel, sein Rahmen für Yamaha TZ 250 / 350. Insbesondere dem Rahmen und der Schwinge der Königswellen-Ducati 750 SS sieht man die Hand von S. nach meinem Eindruck auch sehr deutlich an.

Schließlich baute S. von 1975 bis 1978 Rahmen für den Honda CB 750 SOHC Vierzylinder, die ganz nach Geschmack und Geldbeutel des Besitzers mit Serien- oder Aftermarketanbauteilen wie Gabel, Räder und Bremsen ausgerüstet werden konnten.

Heute werden Seeley-Rahmen mit Freigabe durch Colin Seeley von Roger Titchmarsh gefertigt. Leider habe ich weder vom einen noch vom anderen eine Website gefunden - wenn mir hier jemand weiterhelfen kann, wäre das sehr nett. Soweit mir bekannt ist nimmt Colin Seeley immer noch an Veteranen-Rennen bzw. Schauläufen teil. Getroffen habe ich ihn (leider!) noch nicht - aber dazu bin ich viel zu wenig in UK unterwegs!

zaehler Alle Rechte vorbehalten, © Tilmann Runck. Letzter Update: 31.12.2012 11:57:07